Wochendienst Nr. 17/80 vom 26. April 1980
Hilfsprogramm für lernschwächere Schüler geplant
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Ein beim Bundesminister für Bildung und Wissenschaft (BMBW) als eine Konsequenz aus der Fend-Studie beantragter Modellversuch hat nach den Worten von Kultusminister Krollmann zum Ziel, leistungsschwächeren Schülern, vor allem aber auch Kindern aus- ländischer Eltern an den Gesamtschulen im Raum Wetzlar bei der Bewäl- tigung ihrer schulischen Probleme zu helfen. Durch ein Bündel von Maßnahmen solle der Versuch unternommen werden, Lernschwächen auszu- gleichen ohne dabei den hohen Leistungsstand der Wetzlarer Gesamt- schulen zu gefährden.
Der für die kommenden Jahre beantragte Modellversuch wird in einer Vorphase rechtzeitig alle Betroffenen, insbesondere die Eltern in die Planung einbeziehen. Ziel des Versuchs ist es,
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die unterschiedliche Problemlage der einzelnen Schulen auf der Grundlage der Fend-Studie zu analysieren,
Unterrichtsmaterialien zu prüfen, zu systematisieren und zu überarbeiten,
eine Koordinationsstelle am Institut für Lehrerfortbildung einzurichten, die dem Erfahrungsaustausch von Lehrern dienen soll, die in problematischen Lerngruppen unterrichten,
eine Perspektive zur Veränderung der Unterrichtsorganisation zu entwickeln,
Unterrichtshilfen für innere Differenzierung anstelle der äußeren Differenzierung zu erarbeiten,
Hilfen für den Unterricht in heterogenen Lerngruppen bereit- zustellen.
Kultusminister Krollmann wies in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, daß die kürzlich veröffentlichte Fend-Untersuchung erwiesen habe, daß Gesamtschulen in vielerlei Hinsicht tradi- tionellen Schulen überlegen sind: Beispielsweise erreiche an Gesamt- schulen eine größere Zahl von Schülern weiterführende Abschlüsse, bisher benachteiligte Gruppen würden durch Gesamtschulen besser gefördert und die Schulangst bleibe an diesen Schulen deutlich niedriger.
Neben den Erfolgen zeige die Fend-Studie auch eine Schwäche der Ge- samtschule auf: Es sei offenbar bisher noch nicht hinreichend gelun- gen, Schülern mit Lernschwierigkeiten solche Lernangebote zu machen, die ihren Leistungsfähigkeiten und ihren Begabungsschwerpunkten optimal entsprechen. Dies obwohl die Gesamtschule von der Konzeption her die Förderung als zentrale Zielsetzung aufweise. Offenbar werde die Zuteilung zu einem C-Kurs von den Schülern vielfach als disquali- fizierend empfunden. Allerdings sei das Problem alleine durch die Ein- richtung von zwei anstelle von drei Leistungsniveaus, was die geltenden Bestimmungen bereits heute zuließen, nicht zu lösen. Krollmann be- tonte, es sei konsequent, wenn jetzt ein Vorstoß beim BMBW unternom- men werde, um mit dessen finanzieller Unterstützung eine Schwachstel- le zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. "Wir haben die Fend-Untersuchung schließlich nicht in Auftrag gegeben, um uns bestätigen zu lassen, es sei alles in Ordnung, " sagte Krollmann. Teure wissenschaftliche Forschung habe vielmehr erst dann einen Sinn, wenn die verantwortlichen Politiker daraus die notwendigen Konse- quenzen zögen.